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[Thema: Mit ungebrochen rasantem Wachstum drängt Indien auf die wirtschaftliche Weltbühne.
Erschienen in: Der Standard, 11. Februar 2006] |
Nach Mumbai zweier neuer Hüften wegenIndien ist für sein Outsourcing und Entwicklungsarbeit in der IT bekannt. Aber auch im medizinischen Bereich spielt Indien eine wachsende Rolle für die Welt.![]() Helmut Spudich Mumbai Dan Robertson aus Phoenix, Arizona, hat einen weiten Weg zurückgelegt um wieder richtig gehen zu können. Nach Mumbai kam er vor vier Wochen seiner beiden Hüften wegen, die ihren Dienst seit langem versagten. Im Jaslok Hospital in der indischen Metropole hat Roberston zwei neue Hüften bekommen, "Birmingham hips", wie er mit Besitzerstolz erzählt, nach Auffassung seines US-Hausarztes das Beste, aber in den USA nicht zugelassen. Aber nicht wegen der "Birmingham hips", sondern der Kosten wegen machte er sich auf den weiten Weg. Für Business-Flug, zwei Operationen und vierwöchigem Aufenthalte in der Privatsuite - samt Kosten für die mitreisende Schwester - zahlte Robertston 20.000 Dollar (16.700 Euro); daheim hätte ihn die Behandlung wenigstens 50.000 Dollar gekostet, rechnet er vor. Entdeckt und gebucht hat er die Möglichkeit online beim kanadischen Spezialisten "Meditours", das All-Inclusive-Packages anbietet - von Hüft-und Knieoperationen bis zur plastischer Chirurgie. Sparpotenzial. "Wenn eine Versicherung ihren Patienten für eine Bypass-Operation den Erste-Klasse-Flug, 5000 Dollar für die Operation bei uns und dann noch 5000 Dollar Taschengeld für einen Indienurlaub zahlt, spart sie sich 35.000 Dollar gegenüber den Behandlungskosten in den USA", erklärt Col. Masand, Generaldirektor des Jaslok Hospitals im Gespräch mit europäischen Journalisten. 1500 Mitarbeiter hat das private 376-Betten-Spital, darunter 250 "resident doctors". Jaslok, auch als Forschungszentrum tätig, ist eines von acht Spitzenspitälern in Mumbai. Rund zehn Prozent seiner Patienten kommen aus dem Ausland: USA, Kanada, auch aus europäischen Ländern, vorwiegend Großbritannien. Spitzenmedizin. "Bisher sieht man in Indien vor allem eine Möglichkeit zum Outsourcing von Geschäftsprozessen. Aber es gibt auch Outsourcing-Chancen im medizinischen Bereich", beschreibt D. Ragavan, Leiter des Medizinbereichs bei Siemens India. Indien würde sowohl nach Ausbildung wie technischer Ausstattung über Spitzenmedizin verfügen. Aber das erstklassig ausgebildete Personal arbeitet zu indischen Kosten, und Personalaufwand macht den überwiegenden Teil medizinischer Behandlung aus. Ein Radiologe verdient in Indien 20.000 Dollar im Jahr, in den USA 300.000 - dementsprechend fällt der Unterschied in den Behandlungskosten aus der Sicht von Industriestaaten aus. Eine Möglichkeit, dieses Potenzial auch bei akuten Fällen zu nutzen: Röntgen lokal aufnehmen und zur Diagnose nach Indien zu übertragen. |
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[ © 2006 Der Standard, Helmut Spudich ]
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