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[Thema: Die virtuelle Welt "Second Life" hat die erste reale Dollar-Millionärin hervorgebracht.
Erschienen in: Der Standard, 29. November 2006] |
Ein zweites Leben als MillionärinDas Virtuelle kann ganz schön real sein: Mit ihren Immobiliengeschäften in "Second Life", einem der inzwischen populärsten Onlinespiele, hat die erste Bewohnerin eine Million Dollar verdient - richtige Dollar.![]() Helmut Spudich Wien Der Immobilienboom hat schon so manchen reich gemacht. Jetzt hat auch ein virtueller Immobilienboom seine erste Millionärin hervorgebracht: Ailin Graef, eine Chinesin mit deutschem Pass und einem zweiten Leben als "Anshe Chung", hat nach eigenen Angaben mit ihren Immobiliengeschäften im Onlinespiel "Second Life" in den vergangenen zweieinhalb Jahren bei einem monatlichen Einsatz von 9,95 Dollar ein Vermögen von einer Million Dollar erwirtschaftet. Das sind "richtige Dollar", oder 250 Millionen "Linden Dollar", der konvertierbaren virtuellen Währung des Onlinespiels. Anshe Chung - oder ist es Ailin Graef? - verdankt ihren neuen Status einem einfachen wirtschaftlichen Prinzip: dem Spiel von Angebot und Nachfrage. Und das hat aufgrund der enormen Zuwanderung in der virtuellen Welt zugunsten des Angebots ausgeschlagen. Anfang 2005 zählte Linden Lab, Schöpfer von Second Life, gerade 100.000 Bewohner, vor einem Monat hat die Bewohnerzahl die Millionenmarke überschritten und der Zustrom hält ungebrochen an. Jedermann mit einem PC oder Mac und einer schnellen Onlineverbindung hat die Chance, ein zweites Leben in "Second Life" anzufangen. Neuankömmlinge erhalten etwas Startkapital und können ihr Vermögen selbst mehren, indem sie aus "Prims" genannten, kleinen Bausteinen Objekte entwickeln, die sie an andere Bewohner verkaufen können. Oder man konvertiert richtiges Geld in Spielgeld, um es in "Second Life" ausgeben und investieren zu können. Diese virtuelle Welt hat in den vergangenen Monaten viele Interessenten aus der richtigen angezogen: Modeketten wie American Apparels, bei denen man seinen Avator (seine Second-Life-Persona) einkleiden kann; Hotels wie Aloft, das im ersten Leben erst 2008 eröffnet, aber hier einen Vorgeschmack auf sein gestyltes Angebot gibt. Der PC-Hersteller Dell, der sowohl virtuelle als auch reale PCs verkauft. IBM hält Unternehmenskonferenzen in seinem eigenen Second-Life-Retreat ab, während IBM-CEO Sam Palmisano Mitarbeitern die 100-Mio.-Dollar-Initiative "InnovationJam" bekannt macht. Reuters und BBC berichten für Bewohner über Second-Life-Events und Entwicklungen. Anshe Chung hat das getan, was jeder Immobilienentwickler auch in der realen Welt getan hätte: Sie kaufte virtuelles Land, parzellierte es und verkaufte oder vermietete Grundstücke und Objekte. Chungs Besitz umfasst inzwischen laut Information Week 36 Quadratkilometer virtueller Grundstücke, mehrere Millionen Linden-Dollar Barvermögen, virtuelle Geschäfte und virtuelle Aktien in Second-Life-Unternehmen - umgerechnet eine Million US-Dollar. Mit Teilen dieses Vermögens hat Ailin Chung ein reales Spin-off in Wuhan (China) gegründet. Hier betreibt sie zusammen mit ihrem Mann Guntram und 25 Mitarbeitern die Anshe Chung Studios, die 3D-Welten entwickeln. Inzwischen hat sie die Sorgen aller Millionäre: wie ihr Vermögen gesichert werden kann. Denn zuletzt gab es warnende Stimmen, dass die hitzige "Konjunkturentwicklung" von Second Life zu Inflationsgefahr führe. Und mit "CopyBot" tauchte erstmals ein Schädling auf, der es ermöglicht, alle Arten von SF-Objekten einfach zu kopieren, also zu stehlen. Geld schafft eben in jeder Währung auch Sorgen. Aber wahrscheinlich wird sich dafür auch eine virtuelle Versicherung finden. www.secondlife.com |
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[ © 2006 Helmut Spudich/Der Standard ]
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