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[Thema: Onlineberatung bietet vielen Jugendlichen Hilfe, die sie sich nicht im Angesicht eines Therapeuten holen würden.
Erschienen in: Der Standard, 22. August 2006] |
Rat im Schutz der AnonymitätVon vielen Therapeuten noch misstrauisch beäugt, kann ein wachsendes Angebot professioneller Onlineberatung vor allem Menschen Hilfe anbieten, die sich nur im Schutz der Anonymität des Mediums ihre Scham überwinden trauen.![]() Helmut Spudich Wien Wie zeigt man, dass man traurig ist, wenn einem nur der Text eines Chat-Systems zur Verfügung steht? Wie zeigt man Mitgefühl, wenn Schrift auf einem Bildschirm ausreichen muss? Auf den ersten Blick scheint Onlinekommunikation für Rat und Trost in Krisensituationen ganz und gar ungeeignet, und das, sagt der Psychotherapeut Gerhard Hintenberger, scheint auch die überwiegende Meinung seines Berufsstandes zu sein. "Psychosoziale Berufe sind eher technikfeindlich", resümiert er die langjährige Erfahrung, die er als Leiter der Online-Beratungsstelle Köln gemacht hat. "Für viele Therapeuten ist es einfach undenkbar, Beratung online abzuwickeln." Dabei gibt es schon viel länger als E-Mails und Internet eine anerkannte Form psychosozialer Beratung, die ihre Klienten nicht zu Gesicht bekommt: "Bei Beratungen, die nicht F2F ablaufen," - "Face to face", Onlinejargon für Kommunikation ohne direkten Kontakt - "ist die Telefonseelsorge ein Pionier." Vor rund zehn Jahren habe darum die Ehe-, Familien- und Lebensberatung Köln angefangen, auch über Homepage und E-Mail Beratungen anzubieten. Onlineberatung sei keine Alternative zu traditioneller Beratung und Therapie, sondern habe ihre eigenen Stärken, erklärt Hintenberger: "Viele Klienten kann man nicht in die Praxis bewegen. Sie brauchen den Schutz dieser Anonymität, um Hilfe in Anspruch zu nehmen." Vielfach gehe es dabei um sehr schambesetzte Themen wie Missbrauch, Sexualität oder selbstverletztendes Verhalten. "Die Alternative ist nicht Face-to-Face-Beratung, sondern gar keine Hilfe." Das "niederschwellige" Angebot der Onlineberatung - die emotionale Hürde zur Nutzung ist niedriger als bei Beratungsstellen oder Therapeuten - würde sich für eine Reihe von Gruppen besonders gut eignen: Viele Jugendliche, die mit dem Medium aufgewachsen sind, würden bei Schulängsten oder Drogenproblemen die Angebote nutzen; Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Selbsthilfegruppen würden immer häufiger auf Onlinedienste zurückgreifen; oder Regionen, die in Hinblick auf Beratungsstellen unterversorgt sind, "wie das Waldviertel", wo Hintenberger inzwischen von Langenlois aus die Onlineberatung Köln weiterhin leitet. Auch in akuten Krisensituationen sei Online eine wichtige Hilfe: "Eine E-Mail kann man auch um drei Uhr früh schreiben, wenn keine Beratungsstelle offen hat. Und oft ist es für's Erste ganz wichtig, dass die Leute in ihrer Not jemand schreiben können." Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre gebe es jetzt einen starken Professionalisierungsschub bei der Onlineberatung. Dabei ginge es darum, wie man mit dem Schriftmedium am besten umgeht, wie Emotion auch mithilfe von Zeichen dargestellt werden kann, wie man Kontakt zu Klienten hält. "Chat neigt zu Tempo, da muss man mit Handlungsbeschreibungen auch Zeitverzögerungen herbeiführen, etwa ,Berater Gerhard überlegt, wie er antworten soll'." Zunehmend erweist sich Chat als bevorzugtes Medium für die Beratung: "Es wahrt einerseits die Distanz der Schriftform und weist andererseits sämtliche Merkmale mündlicher Kommunikation auf", erklärt Hirtenberger. "Erstaunlicherweise machen wir die Erfahrungen, dass Klienten ihre Onlinetermine verlässlicher einhalten als F2F-Termine." Eigene Beratungstools auf der Website der Onlineberatung Köln würden garantieren, dass die Beratungen keine Spuren hinterlassen: "Die Chats sind verschlüsselt, es werden keine IP-Adressen und keine Daten gespeichert." Österreich habe inzwischen einen hohen Qualitätsstandard entwickelt; "wienXtra", ein Verein für Jugendarbeit, bietet eine einjährige Zusatzqualifikation für Therapeuten. www.wienxtra.at/forum www.checkyourdrugs.at www.frauenberatenfrauen.at www.e-beratungsjournal.net www.beranet.at |
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[ © 2006 Helmut Spudich/Der Standard ]
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