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[Thema: Blitzschnell verfügbar, aber kaum haltbar: Archivierungsprobleme der elektronischen Ära.
Erschienen in: Der Standard, 24. März 2005] |
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Bibliotheken und die digitale NussWährend das Alter am Bestand der Nationalbibliotheken nagt und sie alle Hände voll zu tun haben, um das Erbe zu bewahren, gibt ihnen das digitale Zeitalter eine neue Nuss zu knacken: Wie wird die flüchtige elektronische Information für die Nachwelt aufbewahrt?Helmut Spudich
Seit der legendären Bibliothek von Alexandria, rund 300 Jahre vor Christi Geburt gegründet, wiederholt zerstört und im Rahmen eines Unesco-Projekts 2002 wiedereröffnet, sind Bibliotheken der Hort menschlichen Wissens. Seit Jahrtausenden sammeln sie, was Menschen veröffentlichen, seit einigen Hundert Jahren tun es Nationalbibliotheken dank Abgabeverpflichtungen für Publikationen besonders gründlich - eigentlich gibt es fast nichts aus Österreich, was an der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) nicht zu finden wäre.
Vorausgesetzt es hat das Licht der Öffentlichkeit auf Papier erblickt. Aber seit der Entwicklung elektronischer Medien verschiebt sich die Informationsproduktion immer stärker von Papier Richtung elektronischer Medien, die keine Garantie für den Bestand über den Tag hinaus bieten. "Das ist für alle Bibliotheken ein Riesenproblem", sagt NB-Chefin Johanna Rachinger im Gespräch mit dem STANDARD. Eine von der ÖNB vor wenigen Tagen ausgerichtete Tagung widmete sich dem Thema "Langzeitarchivierung im digitalen Zeitalter". Das Problem ist vielschichtig und betrifft nicht nur Onlinemedien (vor allem Internet), sondern auch elektronische Offlinemedien, wie CD-ROM. Und es geht dabei nicht nur darum, nach welchen Kriterien man Inhalte speichert - "für eine komplette Sammlung fehlt uns derzeit einfach das Geld", sagt Rachinger - sondern auch, wie man sie so speichert, dass sie überleben: Datenformate und Speichermedien wandeln sich rasch, vieles, was gerade erst 20 Jahre alt ist, ist heute nur noch zugänglich, wenn man alte Computer oder Abspielgeräte hat. Jährlich fünf Exabyte Die Dimension der Herausforderung ist riesig: Allein 2002 wurden fünf Exabyte (das sind fünf Mrd. Gigabyte, was der Speicherkapazität von rund 83 Mio. zeitgemäßen Notebooks entspricht) neuer Information produziert, die 37.000-fache Datenmenge aller Bücher der US-Library of Congress. 0,01 Prozent davon befindet sich auf Papier, 92 Prozent der Daten sind digital. "Natürlich ist vieles davon Schrott, aber viele Historiker gewinnen ihre Erkenntnisse aus Alltagstexten und nicht aus hochwissenschaftlichen Sammlungen. Bibliotheken haben immer die Aufgabe gehabt alles zu sammeln, was erscheint", lehnt Rachinger Werturteile über das Erhaltenswerte ab. Aber um mit der Menge fertig zu werden, braucht man eine Strategie, welchen Auszug des in Österreich digital Publizierten man sammelt. Dafür hat die NB seit Anfang 2004 eine Abteilung digitale Medien, die ein brauchbares Modell entwickeln soll; die zur Digitalisierung verwendete Software Digitools von Ex Libris geht demnächst in den Regelbetrieb. In einem ersten Schritt werde man zunächst jene Publikationen digital sammeln und zugänglich machen, die viel verwendet werden und deren Urheberrechtsfragen leichter zu klären sind - wie Diplomarbeiten und Dissertationen, "das braucht enorm viel Platz". Rechtsgrundlage Dringend sei es, sagt Rachinger, eine österreichweite Strategie und rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen; beides Forderungen der Tagung zur digitalen Archivierung. Digitale Publikationen sollen künftig von den Herausgebern verpflichtend der ÖNB angeboten werden - aber nicht mehr, wie jetzt, automatisch abgeliefert werden müssen. Schon derzeit hat die ÖNB ein umfangreiches digitales Angebot, erstmals gibt es sämtliche Kataloge in Datenbankform (ab Juni auch die Stichwortkataloge), ihre Fotosammlungen (deren Werke zur Nutzung auch gekauft werden können) oder die bis dahin auch für Experten kaum nutzbaren Zettelkataloge der Kartensammlung. Historische Zeitungen sind online (und können auch gekauft werden), 2006 startet ein Projekt zur Transkription der Papyrussammlung. Werden Bibliotheken auch künftig einen physischen Ort brauchen? "Auf jeden Fall, weil es auch eine soziale Dimension des Wissenserwerbs gibt", sagt Rachinger. "Wir haben steigende Benutzerzahlen, obwohl wir immer mehr Informationen über Datenbanken anbieten." Und die Zahl der gedruckten Bücher, die in Speichern archiviert werden müssen, steigt jährlich weiter. Seit die Nationalbibliothek auch Internetzugang bietet, hat sie sich eine neue Schicht von Benutzern erschlossen: "Viele Migrantenkinder der zweiten Generation nutzen den freien Zugang. Das ist auch eine Aufgabe einer Nationalbibliothek. Es ist das, was die Unesco ständig fordert: Menschen aufzunehmen, die bisher von Informationen ausgeschlossen sind." >>Österreichische Nationalbibliothek Digitalisierung und digitale Archivierung |
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[ © 2005 Der Standard, Helmut Spudich ]
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